Kleben ohne Fluchen

Der Praxis-Guide für Lochfolien

Lochfolien sind die unangefochtenen Diven unter den Folien. Da sie durch die vielen Löcher deutlich weniger Klebefläche haben als eine geschlossene Folie, verzeiht das Material kaum Fehler. Wer hier schlampt, erntet schnell abgelöste Kanten, trübe Scheiben und wütende Anrufe von Kunden. Aber keine Sorge: Mit der richtigen Technik und ein paar simplen Grundregeln wird das Verkleben deutlich entspannter. Die Profis von der IGEPA group verraten, worauf ihr achten müsst.

Published: 2.7.2026  |  Foto / Video: KI-generiert, Magnific

1. Vorbereitung ist die halbe Miete (und lass es ausgasen!)

Der erste Schritt ist die Reinigung. Am besten funktioniert klassische Seifenlauge. Viele Werbetechniker schwören im Alltag auf lösungsmittelbasierte Reiniger (wie z. B. Surface Cleaner). Das ist prinzipiell in Ordnung, birgt aber eine Gefahr: Die Lösungsmittel gasen nach. Wenn du die Folie zu schnell aufbringst, greifen diese Gase den empfindlichen Kleber der Lochfolie an. Die goldene Regel: Gib dem Reiniger fünf bis zehn Minuten Zeit zum Ablüften, bevor die Folie ans Fenster kommt.

2. Die absolute Todsünde: Nassverklebung

Wir sagen es in aller Deutlichkeit: Lochfolien dürfen niemals nass verklebt werden! Wer Wasser und Spüli unter die Folie sprüht, unterschreibt das Todesurteil für das Laminat. Die Feuchtigkeit drückt sich unweigerlich in das hochtransparente Laminat, wodurch der Kleber reagiert und die Folie "blind" oder milchig-genarbt wird. Die schöne Durchsicht ist dann komplett ruiniert. Also: Immer zu 100 Prozent trocken arbeiten!

3. Montieren: Mit Gefühl rakeln und nicht überlappen lassen

Das Aufbringen selbst ist eigentlich klassisches Handwerk: Positionieren, Liner von oben abziehen und mit dem Rakel von links nach rechts arbeiten. Dabei reicht ein ganz normaler Andruck. Wer mit brutaler Gewalt rakelt, zerkratzt leicht die Oberfläche des Laminats, was anfangs wie störende, matte Schlieren aussieht (auch wenn sich diese Mikrokratzer meist durch Wärme wieder von selbst schließen). Solltest du große Fensterfronten bekleben, setze die Bahnen immer Stoß an Stoß. Eine überlappende Verklebung funktioniert bei Lochfolien schlichtweg nicht und bildet nur unnötige Gefahrenstellen.

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4. Die 5-Millimeter-Regel und der rettende Kantenschutz

Jetzt kommt der Punkt, der über 90 Prozent der Ablösungen entscheidet. Schneide die Folie nie direkt an der Kante oder auf dem Scheibengummi ab! Dort hat die Folie keinen Halt und löst sich sofort ab. Halte stattdessen immer 5 Millimeter Abstand zum Rand oder Gummi ein.

Warum? Weil eine Lochfolie durch die Stanzung immer offene Kanten an den Löchern hat. Wenn du diesen 5-Millimeter-Spalt nun mit einem Kantenschutz (meist ein 12 Millimeter breiter Streifen Laminat) versiegelst, schließt du diese Einfallstore. Das Band wird zur Hälfte auf die Folie und zur Hälfte auf die nackte Scheibe geklebt. So kann Regenwasser einfach ablaufen, ohne kapillar unter die Folie gesaugt zu werden.

5. Reklamationen: So gehst du damit um

Klar - sowohl bei dir in der Werkstatt als auch beim Kunden kann mal etwas schiefgehen. Dein Kunde kommt mit einer Folierung, die aussieht wie zerfressen? Dann ist sie vermutlich den Hochdruckreiniger-Tod gestorben. Der Kunde ist damit zu nah an die Folie gegangen, dadurch platzen die kleinen Hohlräume unter den Löchern einfach auf – wie bei einer Luftpolsterfolie.

Wenn du reklamieren musst: Halte für den Hersteller immer die Lot- und Chargennummer (stehen auf dem Rollenkern), das Verklebedatum, das Drucksystem und den verwendeten Reiniger parat. Mach detaillierte Fotos vom Schaden – das reicht oft schon für eine Ferndiagnose. Hebe am besten auch ein Stück der fehlerhaften Folie auf.

Wen du dich an unseren Praxis-Guide hältst, sollten Reklamationen aber die Ausnahme bleiben. Für den schnellen Überblick in der Werkstatt hier das Ganze als Checkliste:

Die Anti-Reklamations-Checkliste für Werbetechniker:

  • Reiniger ausgasen lassen: Lösemittelhaltige Reiniger 5 bis 10 Minuten ablüften lassen.

  •  100% Trockenverklebung: Niemals nass verkleben, um blindes Laminat zu verhindern.

  • Abstand halten: 5 Millimeter Luft zum Scheibenrand/Gummi lassen. Nicht auf Dichtungen kleben.

  • Stoß an Stoß: Große Motive niemals überlappen.

  • Spannungsfrei laminieren: Das Laminat nicht zu stark ziehen, sonst hebelt es die Folie später ab.

  • Kantenschutz anbringen: Die offenen 5 Millimeter zwingend mit Kantenschutzband versiegeln (Ausnahme: panoRama Innova Ice).

  • Dosierter Rakeldruck: Normal andrücken, nicht mit übertriebener Kraft kratzen

Lochfolien im Webinar

Wenn du tiefer in das Thema einsteigen willst: Die IGEPA group hat dazu ein Webseminar mit dem Titel „Lochfolien im Einsatz – Möglichkeiten, Anwendungen und Verarbeitungstipps aus der Praxis“ aufgezeichnet.